Das Wunder von Mals

Strafprozess gegen Pestizidrebellen

Landesrat will Klage zurückziehen

16.09.2020 von Leo Frühschütz, Biohandel

Der Südtiroler Landesrat Arnold Schuler hat angekündigt, er wolle seine Klagen gegen Karl Bär
vom Umweltinstitut München und den Autor Alexander Schiebel zurückziehen. Ob damit der
Prozess gegen die beiden Pestizidkritiker vom Tisch ist, muss sich noch zeigen.

Wegen übler Nachrede hatten der Südtiroler Landesrat Arnold Schuler und über 1.300 Landwirte
den Agrarexperten Karl Bär und den „Das Wunder von Mals“-Autor Alexander Schiebel verklagt.
Das Landgericht Bozen eröffnete heute das Verfahren, an dem Schuler und zwei Landwirte als
Nebenkläger teilnehmen. Der Richter setzte nach Angaben des Umweltinstituts den Klägern eine
Frist bis zum 27. November, um alle Anzeigen zurückzunehmen. Bis dahin bleibt der Ausgang des
Verfahrens weiterhin offen.

Pestizidverbrauch offengelegt

Karl Bär berichtete von einem weiteren Erfolg in der Verhandlung: „Die Staatsanwaltschaft Bozen
hat auf unseren Antrag hin die Betriebshefte der mehr als 1300 LandwirtInnen einsammeln lassen,
die sich der Anzeige des Landesrates angeschlossen hatten.“ In den Heften enthalten seien die
genauen Angaben, welche und wie viel Pestizide jeder einzelne Landwirt im Jahr 2017 auf seinem
Acker ausgebracht hat. „Auch wenn der Prozess eingestellt werden sollte, können wir auf diese
konkreten Daten zurückgreifen – was europaweit so noch nie zuvor möglich war“, sagte Bär.