BÖLW zur Borchert-Kommission

Für den Umbau der Tierhaltung müssen alle am selben Strang ziehen

Berlin, 29.01.2021

In den letzten Tagen wurde in der Fachpresse zur Borchert-Kommission diskutiert. BÖLW-Chef, Dr. Felix Prinz zu Löwenstein, sagt: „Das Konzept der so genannten ‚Borchert Kommission‘ bietet erstmals eine reale Chance, die gesamte Tierhaltung in Deutschland auf ein akzeptables Niveau zu heben. Die Kommission zeigt auch, wie dabei alle Betriebe von konventionell bis Bio mitgenommen werden können. Noch nie gab es für eine solche Initiative eine so breite, über die Interessens-, Umwelt- und Tierschutzverbände sowie Parteien reichende Zustimmung.“

Der BÖLW stimmte schon zu Beginn der Kommissionsarbeit dem Kompromiss zu, der eine gemeinsame Haltungsstufe für Bio und eine ambitionierte konventionelle Tierhaltung* vorsieht, wenn es damit gelingt, mit dem Borchert-Plan die Tierhaltung umzubauen. „Deshalb ziehen wir auch mit den Tier- und Umweltschutzverbänden an einem Strang“, so zu Löwenstein.

Viele tausend Bio-Betriebe in Deutschland halten Tiere. Öko-Höfe stellen mit großem Abstand die Mehrheit der Höfe, die heute schon Rinder, Schweine, Hühner, Ziegen und Co. nach dem höchsten gesetzlichen Tierhaltungsstandard halten. Der BÖLW-Vorsitzende weist auf die Chance hin, die viele Bauern mit Bio ergreifen: „Tag für Tag entscheiden sich mehr Bäuerinnen und Bauern für den wichtigen Schritt in Richtung Öko-Tierhaltung zum Wohle der Tiere, der Umwelt und des Klimas. Das ist ein Gewinn für alle, weil diese Betriebe ihre Tiere artgerecht halten und zusätzlich auch für den Schutz von Hase, Libelle und Rebhuhn durch sorgen, weil das Bio-Futter ohne Kunstdünger, Gentechnik und chemisch-synthetische Pestizide gedeiht.“ Und weil Bio-Bauern flächengebunden wirtschaften, sorge Öko auch für saubere Gewässer. Nicht umsonst nähme sich die EU sich vor, bis 2030 ein Viertel der Landwirtschaft auf Bio umzustellen.

Damit der Umbau der Tierhaltung gelingt, müsse das Konzept der Borchert-Kommission so austariert werden, dass zwei Ziele erreicht werden:

1.     Es muss die weitere Umstellung auf den Ökologischen Landbau ebenso fördern,

2.     wie den Umbau der Tierhaltung insgesamt.

Dafür gibt es bereits konstruktive Vorschläge aus dem BÖLW als auch vom Vorsitzenden der Kommission, Wolfgang Borchert. Zwei Klarstellungen sollten dafür hilfreich sein:

–       Das Konzept sieht vor, eine Tierwohlabgabe beim Verkauf von Fleisch zu erheben. Daraus sollen den Betrieben die Mehrkosten für eine bessere Tierhaltung erstattet werden. Das muss für Bio-Betriebe gleichermaßen gelten wie für alle anderen. Der Kostenausgleich muss sich deshalb auf die Mehrkosten beziehen, die durch die Haltungsvorgaben des Bio-Rechts verursacht werden.

–       Im Borchert-Konzept wird gefordert, Anforderungen an Transport und Schlachtung zu formulieren. Auch sollen die Betriebe von den Schlachtstätten über Befunde informiert werden, die auf haltungsbedingte Schäden hinweisen, damit sie die Ursachen abstellen.
Das unterstützen wir. Wir fordern, dass diese Anforderungen für alle Betriebe verbindlich gesetzlich festzuschreiben – egal ob Bio oder konventionell.

Löwenstein betont: „Es gilt jetzt, die Borchert-Kommission schnell zu einem umsetzbaren Ergebnis zu bringen. Das Erheben der Tierwohlabgabe und die Regelungen der Tierwohlprämie für eine bessere Tierhaltung müssen von Bundeslandwirtschaftsministerin Klöckner jetzt gesetzlich umgesetzt werden.“

Ein Zwischenschritt über ein freiwilliges nationales Tierwohl-Label, wie er immer noch politisch diskutiert wird, sei laut Löwenstein dann nicht erforderlich. Auch, weil EU-Mitgliedsstaaten und -Kommission Interesse an einer europäischen, verpflichtenden Tierhaltungskennzeichnung haben.

*entsprechend der Platzvorgaben gemäß EU-Öko-Verordnung

Anbei lesen Sie einfach erklärt, wie das Borchert-Konzept funktioniert.