Bauern zeigen: So geht es ohne Glyphosat und Co.

BÖLW zum Start der Grünen Woche

GroKo muss konkreten Ausstiegsplan vorlegen / BÖLW-Forderungen an Koalitionsvereinbarungen

Berlin, 17.01.2018.

„Wir müssen heute schützen, was wir morgen zum Leben brauchen“, sagt Felix Prinz zu Löwenstein, Vorsitzender des Bund Ökologische Lebensmittelwirtschaft (BÖLW), zum Auftakt der Internationalen Grünen Woche und ergänzt: „Union und SPD dürfen nicht auf Zeit spielen, wenn es darum geht, bekannte Probleme in Landwirtschaft und Ernährung anzupacken – nicht nur, wenn es um den Pflanzenschutz geht. Längst liegen genug wissenschaftliche Nachweise dafür vor, dass wir durch schädliche Praktiken dabei sind, überlebenswichtige Ressourcen wie Artenvielfalt, Wasser oder Bodenfruchtbarkeit unwiederbringlich zu zerstören. Wir dürfen mit unserer Landwirtschaft die Natur nicht weiter verschleißen. Ökolandbau ist für einen notwendigen Umbau der Landwirtschaft ein erprobtes und wirkungsvolles Instrument.“

In den anstehenden Koalitionsvereinbarungen müsse aus diesen allgemeinen Grundsätzen aber konkretes Handeln abgeleitet werden:

  • Um das Ziel von 20 % Öko-Landbau aus der Nachhaltigkeitsstrategie der Bundesregierung zu erreichen, muss die bereits vorliegende Zukunftsstrategie Ökologischer Landbau (ZöL) umgesetzt sowie mit den notwendigen Ressourcen ausgestattet werden.
  • Die Gemeinsame Europäische Agrarpolitik (GAP) muss öffentliche Gelder für öffentliche Leistungen einsetzen. Steuergeld muss dafür verwendet werden, im Sinne der Menschen zu handeln: Wasser, Böden und Klima zu schützen, Tiere artgerecht zu halten und so besonders bäuerlichen Betrieben neue Perspektiven zu geben.
  • Die Agrarforschung spielt im Sondierungspapier keine Rolle. Es muss aber sichergestellt werden, dass diese auf die Ziele der Nachhaltigkeitsstrategie ausgerichtet wird. Wer morgen 20 % Bio anstrebt, muss bereits heute 20 % der Mittel auf Öko-Forschung verwenden, um damit das Innovationspotential von Bio voll zu erschließen. Aktuell sind es 1,5 %.
  • Produkte aus artgerechter Tierhaltung kann man bereits heute erkennen – am Bio-Siegel. Was fehlt, ist eine verpflichtende Haltungskennzeichnung wie sie bei Eiern verwendet wird. Eine freiwillige staatliche Kennzeichnung gibt den Verbrauchern keine ausreichende Handhabe, um an der nötigen Veränderung in der Tierhaltung mitzuwirken.
  • Die Wirtschaftsförderung muss auf Nachhaltigkeit ausgerichtet werden. Um den Umbau der Landwirtschaft zu ermöglichen, müssen Wirtschaftsförderung und Landwirtschaftspolitik besser miteinander verzahnt werden. So können sie ländliche Regionen am besten stärken.
  • Fairer Handel braucht faire Regeln – deshalb muss sich Deutschland für ein demokratisches und transparentes Welthandelssystem einsetzen, bei dem internationale Menschen- und Umweltrechtsabkommen sowie sozial-ökologische Standards die Grundlage für Handelsverträge bilden.
  • Gesunde Ernährung stärken: Der Bund muss die öffentliche Gemeinschaftsverpflegung als wirksames Instrument für eine gesunde Landwirtschaft und Ernährung nutzen. Nachbarländer wie Frankreich oder Dänemark zeigen, wie es geht. So ist es in Kopenhagen gelungen, den Bio-Anteil in allen öffentlichen Einrichtungen auf 90 % auszubauen.
  • Gentechnik und Patente: Die neue Bundesregierung muss sicherstellen, dass Verbote von Patenten auf Pflanzen und Tiere tatsächlich wirksam werden. Neuartige Gentechnikverfahren wie CRISPR-Cas bei Lebensmitteln müssen nach dem Vorsorgeprinzip reguliert werden.

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Die Grüne Woche Berlin